„Ich glaube nicht, dass das Kino zum Aussterben verurteilt ist“

© Thomas Berns

Foto: © Thomas Berns

Schon wenn man das Büro von Kai Gottlob – Geschäftsführer der filmforum GmbH – betritt, wird deutlich, welch großen Stellenwert die Vergangenheit des Kinos für das filmforum hat. Kameras und Projektionsgeräte aus den Anfangsjahren, altes Filmequipment und antiquarische Filmplakate – die Geschichte des Kinos ist im filmforum Duisburg immer präsent und spielt eine enorm wichtige Rolle. Denn neben dem alltäglichen Kinobetrieb ist auch die archivarische Arbeit für Gottlob und sein Team „unglaublich wichtig“. Im Laufe der Zeit hat das filmforum deshalb ein großes Filmarchiv angelegt. Dort lagern einzigartige Schätze der Kinogeschichte neben hochwertigen Kopien und zahlreichen Filmen der Duisburger Stadthistorie. Was aus praktikablen Gründen entstand, ist im Laufe der Jahrzehnte zu einer großen filmhistorischen Sammlung angewachsen, die ihresgleichen sucht. Doch das filmforum lässt Vergangenheit nicht Vergangenheit sein! Das wird deutlich, wenn Kai Gottlob zukünftige Pläne verrät und eine gewisse „Renaissance des Kino-Schauens“ prognostiziert.

„Wir fangen jetzt bald damit an, Filme testweise auch tatsächlich wieder auf Zelluloid zu zeigen. Wir haben uns alle schon vollkommen an die präzise und mechanisch lineare digitale Produktion gewöhnt. Da ist die Mechanik des 35-mm-Films etwas ganz anderes: Ich glaube, das werden die Leute irgendwann wieder mögen, um Film wieder richtig als Film zu schauen.“

Mehr als ein Arthouse-Kino

Diese 35-mm-Filme sind ebenso wie hochwertige Arthouse-Filme und Originalfassungen enorm wichtig für das Profil des filmforums und ein Verständnis für Film. Dieses Verständnis für das Medium und dessen Funktionsweise versucht das Team auch den Jüngsten zu vermitteln – denn schließlich ist es die jüngste Generation, die die Zukunft des Kinos mitgestalten wird. Im Kinderkino, in Schulvorstellungen und Ferien-Workshops lernen die Kinder und Jugendlichen, wie Film und Medien funktionieren: Egal ob sie selbst zum Kameramann werden, Schauspieler mit Fragen löchern oder mit Filmhunden rumtoben können – spielerisch lernen die Kinder, mit dem Medium Film umzugehen und eine besondere Begeisterung dafür zu entwickeln. Der filmforum-Leiter freut sich darüber, wie gut diese Angebote angenommen werden, weist aber auch auf die finanzielle Unterstützung von städtischer Seite hin:

„Für diese medienpädagogische Aufgabe braucht man letztendlich einen Zuschuss. Insofern sind wir glücklich, hier in Duisburg in einer Situation zu sein, in der die Stadt sich so ein kommunales Filminstitut wie das filmforum leistet – das ist natürlich ein riesiger Vorteil.“

Durch die städtische Unterstützung sei es möglich, die besondere Kombination aus Filmarchiv, filmhistorischen Sammlungen, Medienpädagogik und Programmkino zu gewährleisten – und genau die macht die Arbeit des filmforums aus. Mit dem filmforum ist der Duisburger Dellplatz weit mehr als ein Ort für qualitativ hochwertige Filme.

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© Thomas Berns

Das Kino ist einzigartig

Und wird es sie jetzt geben, die Zukunft des Kinos? Kai Gottlob ist sich sicher:

„Ich glaube an die Zukunft des Kinos – sowohl als Kunstform als auch als Begegnungsort. Mit gewissen Formen wird das Kino immer wieder auf sich aufmerksam machen.“

Auch zukünftige technische Entwicklungen und neue Dramaturgien erlebe man emotional viel stärker in der Gruppe als Zuhause: „Diese Mixtur aus all dem, was beim Kino in diesem dunklen Raum schließlich passiert, ist ein Erlebnis, das sich nicht einfach eins zu eins ins Wohnzimmer oder woanders hin transportieren lässt – das ist eine ganz andere Gefühls- und Erlebniswelt.“ Als Kai Gottlob das Beispiel einer Komödie bringt, denke ich: stimmt! Wer bricht schon allein auf dem Sofa in schallendes Gelächter aus? Dazu wird man im Kino viel eher verleitet! Das Live-Erlebnis und die Filmerfahrung im Kinosessel seien einmalig und ließen sich nicht an einem anderen Ort rekonstruieren: „Sie sehen den Film im Kino viel gefühlsbetonter. Zuhause ist immer eine Ablenkung da, die das Filmerlebnis schließlich mindert. Deshalb glaube ich daran, dass das Kino in der Form wirklich noch eine Zukunft hat.“ Da das Filmerlebnis, Emotionen und die Wahrnehmung im filmforum im Vordergrund stehen sollen, gibt es hier auch kein Popcorn & Co. Das Kino ist sehr alt und der größte Saal noch weitestgehend im Zustand von 1948: „Dieses rote, plüschige Ambiente und all das, was Kino ausgemacht hat, lebt bei uns irgendwie fort.“ Da schließt sich der Kreis wieder und wir sehen: Das filmforum schafft die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart – und ganz nebenbei werden Strategien für die Zukunft entwickelt!


Aus einem Projekt der Volkshochschule Duisburg entstanden, bestimmt das filmforum seit den siebziger Jahren die Duisburger Kinolandschaft mit – damit ist es das älteste kommunale Kino Deutschlands. 1980 wurde schließlich der heutige Standort bezogen, der seitdem Kinoliebhaber aus der ganze Region zum Duisburger Dellplatz lockt. Neben dem Programmkino betreibt die filmforum GmbH auch ein umfangreiches Filmarchiv – nicht nur mit alten Filmtiteln, sondern auch mit Materialien, Equipment und vielem mehr. Außerdem gibt es einen bemerkenswerten medienpädagogischen Bereich. Viele weitere Infos zum filmforum gibt’s hier!

Lust auf das ganze Interview? Das gibt’s hier!

Fotos: © Thomas Berns

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